Nordseeluft, Frauenpower und eine Begegnung, die nachwirkt
Was passiert, wenn drei ko-ra-le-Frauen aus Heilbad Heiligenstadt nach Husum reisen? Es gibt Nordseeluft, Schafe, Ebbe, ein Schiff auf dem Hafenboden – und vor allem viele gute Gespräche!
Auf Einladung der Husumer Gleichstellungsbeauftragten Britta Rudolph machten wir uns am Freitag, den 11. September 2026, auf den Weg in den hohen Norden. Husum ist Partnerstadt von Heilbad Heiligenstadt – und damit war diese Reise mehr als nur ein schöner Ausflug. Sie war eine Begegnung von Frauen, Städten und unterschiedlichen Erfahrungen.
Erst einmal ankommen – und staunen
Nach einer angenehmen und fast pünktlich verlaufenen Zugfahrt wurden wir am Husumer Bahnhof herzlich empfangen. Nach dem kurzen Einchecken im Hotel ging es direkt weiter zur MS Nordertor im Binnenhafen.
Dort erwartete uns ein köstliches friesländisches Mittagessen – und eine kleine Lektion in Sachen Gezeiten.
Denn während wir noch staunten, erfuhren wir: Bei Ebbe bleibt das Schiff einfach im Hafen und setzt sich auf den Grund des Hafenbeckens. Auch die kleineren Boote bleiben stehen, ohne umzukippen. Für uns Festländerinnen durchaus ein kleines norddeutsches Wunder!
Anschließend ging es hinaus zum Deich. Nordsee, Wind, Schafe und mutige Badegäste inklusive. Kurz gesagt: Wir waren angekommen.
„Frauen im geteilten Deutschland“ – Geschichte bekommt Gesichter
Am Nachmittag führte unser Weg zur VHS Husum. Dort wurde die Ausstellung „Frauen im geteilten Deutschland“ eröffnet.
Gemeinsam mit der VHS-Direktorin Anke Wigger und Ascan Dieffenbach aus dem Programmbereich Gesellschaft, Demokratie, Wandel und Nachhaltigkeitsmanagement begrüßte Britta Rudolph die zahlreichen Gäste.
Als Frauen aus dem ehemaligen Ostdeutschland wurden wir besonders herzlich willkommen geheißen.
Nach einer Einführung in die Ausstellung entwickelte sich unter der souveränen Moderation von Britta Rudolph eine intensive Gesprächsrunde über die Lebenssituation von Frauen am Ende der DDR, die Wende und die Veränderungen für Frauen in Ost und West.
Unterschiedliche Erfahrungen dürfen nebeneinanderstehen
Wie wurde Selbstbestimmung in Ostdeutschland erlebt? Was bedeutete die Wiedervereinigung für Frauen? Welche Hoffnungen gab es – und welche Enttäuschungen?
Es wurde gefragt, erzählt, erinnert und diskutiert.
Besonders wohltuend war dabei, dass unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen ihren Platz hatten. Niemand musste die eigene Geschichte gegen die Geschichte des anderen verteidigen.
Zuhören statt urteilen. Fragen statt festlegen. Verstehen wollen statt abwerten.
Genau darin lag die besondere Qualität dieses Abends.
Und wir stellten fest: Es braucht noch viele solcher Gespräche.
Denn vier Jahrzehnte geteilte Geschichte verschwinden nicht einfach durch einen politischen Vereinigungsakt. Sie leben in Erinnerungen, Biografien und unterschiedlichen Erfahrungen weiter.
Husum aus weiblicher Perspektive
Am nächsten Morgen wartete bereits das nächste Highlight auf uns: ein Stadtrundgang mit Heidelore Will.
Für ihren Rundgang auf den Spuren der Husumer Frauen schlüpfte sie sogar in ihre historische Tine-Tracht. Die dazugehörigen Holzschuhe allerdings – so verriet sie uns mit einem Augenzwinkern – seien eher etwas fürs Foto als fürs Kopfsteinpflaster.
Wir lernten zahlreiche bedeutende Frauen der Stadtgeschichte kennen, erkundeten Husum, das Schloss und den Schlosspark und entdeckten die Stadt noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive.
Ein Rundgang mit Geschichte, Geschichten und ganz viel Herz.
Was bleibt?
Nach einem letzten Besuch in Jaquelines Café in der Schlossgasse hieß es Abschied nehmen.
Mit im Gepäck: viele neue Eindrücke, herzliche Begegnungen, interessante Gespräche, jede Menge Geschichten – und die Vorfreude auf ein Wiedersehen.
Unser herzlicher Dank gilt Britta Rudolph für ihre riesengroße Gastfreundschaft, dem Team der VHS Husum für die gelungene Ausstellungseröffnung, Heidelore Will für den wunderbaren Stadtrundgang und der ko-ra-le-Geschäftsführung, die diese besondere Reise möglich gemacht hat.
Und jetzt freuen wir uns auf den Gegenbesuch!
Denn Begegnungen wie diese zeigen uns:
Frauen können Geschichte nicht nur erinnern – sie können miteinander Zukunft gestalten.
Wir freuen uns deshalb schon sehr darauf, die Husumer Frauen bald in Heilbad Heiligenstadt begrüßen zu dürfen.
Bis dahin bleibt uns die Erkenntnis:
Manchmal braucht es nur wenige Frauen, eine Zugfahrt und eine Einladung ans Meer, damit aus einer Partnerschaft echte Begegnung wird. (Karola Klingebiel)